Die fünf Bewertungskriterien
„DSGVO-konform“ steht auf fast jeder Anbieter-Website. Prüfbar wird die Aussage erst anhand konkreter Kriterien. Wir bewerten jeden Anbieter in dieser Übersicht nach denselben fünf Punkten:
- AVV nach Art. 28 DSGVO: Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag, und ist er öffentlich einsehbar oder erst auf Anfrage verfügbar?
- Hosting und Datenresidenz: Wo liegen die Daten physisch — und wo läuft die Inferenz, also die eigentliche Modellverarbeitung? Beides kann auseinanderfallen.
- Jurisdiktion: Wem gehört die Infrastruktur? Ein Frankfurter Rechenzentrum eines US-Hyperscalers unterliegt über den Mutterkonzern weiterhin dem CLOUD Act.
- Zertifizierungen und Nachweise: ISO 27001, SOC 2, BSI C5 — nicht als Selbstzweck, sondern als unabhängig geprüfter Beleg der Sicherheitsorganisation.
- Berufsgeheimnis (§203 StGB): Für Kanzleien, Steuerberater und Arztpraxen entscheidend — und von der DSGVO-Frage rechtlich getrennt. Details erklärt unser DSGVO-KI-Leitfaden 2026.
Transparenzhinweis: Diese Übersicht erscheint im Blog von ClapNClaw — einem der vorgestellten Anbieter. Wir nennen deshalb bei jedem Anbieter (auch bei uns selbst) ehrlich Stärken und Grenzen. Alle Angaben zu Dritten stammen aus öffentlichen Quellen (Stand: Juni 2026) und können sich ändern — prüfen Sie vor einer Entscheidung die aktuelle Anbieter-Website.
Vergleichstabelle: 8 Anbieter im Überblick
| Anbieter | Modelle | Hosting / Inferenz | Preis (Stand: Juni 2026) | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Langdock | 30+ (GPT, Claude, Gemini, Mistral u. a.) | Microsoft Azure, Frankfurt | ab 20 €/Nutzer/Monat zzgl. USt. (jährlich), + ~10 % API-Aufschlag | Mittelstand & Enterprise mit Modellvielfalt-Bedarf |
| nele.ai | Mehrere (US-Modelle, kein Training) | Server in Deutschland | Credit-basiert, Einstieg ab ~10 €/Monat pro Unternehmen | KMU ohne Per-Seat-Lizenzen |
| meinGPT | Mehrere Anbieter wählbar | Deutschland / EU | Individuell auf Anfrage | Mittelstand mit Schulungs- & Integrationsbedarf |
| DeutschlandGPT | GPT, Claude, Gemini, Llama, Mistral | Open Telekom Cloud (Magdeburg/Biere) | Free 0 € · Business 24 €/Nutzer (20 € jährlich, zzgl. USt.) | KMU mit Wunsch nach deutscher Cloud (BSI C5) |
| Aleph Alpha (PhariaAI) | Eigene + offene Modelle | On-Premise / Hybrid, kein SaaS | Projektpreise auf Anfrage | Behörden, Konzerne, höchste Souveränität |
| DATEV Copilot | Assistenz-KI im DATEV-Ökosystem | DATEV-Cloud | Kostenfreie Lizenz für DATEV-Mitglieder | Steuerkanzleien, die DATEV bereits nutzen |
| Mistral Le Chat | Mistral-Modelle (Enterprise: + weitere) | Frankreich (EU-Jurisdiktion) | Pro 14,99 €/Monat · Team 24,99 €/Nutzer/Monat | Teams, die einen EU-Modellanbieter wollen |
| ClapNClaw | Claude (Anthropic) via AWS Bedrock | Hetzner Frankfurt (Container pro Firma) / Bedrock eu-central-1 | Team 29 €/Nutzer (25 € jährl.) · Compliance 59 € (50 € jährl.) | Kanzleien, Steuerberater, Praxen (§203 StGB) |
Quellen: öffentliche Preis-, Security- und Produktseiten der Anbieter, Stand Juni 2026. Felder ohne Preisangabe: kein öffentlicher Listenpreis verfügbar.
Langdock — die Multi-Modell-Plattform aus Berlin
Enfoque: Langdock positioniert sich als KI-Arbeitsplattform für Unternehmen und ist der bekannteste deutsche Generalist. Über 30 Modelle (GPT, Claude, Gemini, Mistral u. a.) laufen unter einer Oberfläche; dazu kommen Workflows, Agents und eine API. Gehostet wird auf Microsoft Azure in Frankfurt, AVV sofort verfügbar, ISO 27001 zertifiziert und SOC 2 Type II auditiert. Der Business-Tarif startet bei 20 € pro Nutzer und Monat zzgl. USt. bei jährlicher Zahlung (Stand: Juni 2026); auf API-Nutzung kommt ein Aufschlag von rund 10 % auf die Token-Preise.
Einordnung: Für Teams ab ~50 Nutzern, die Modellvielfalt und Automatisierung brauchen, die stärkste deutsche Plattform. Zu beachten: Azure ist ein US-Hyperscaler — der Frankfurter Standort schützt nicht vollständig vor der CLOUD-Act-Reichweite des Mutterkonzerns. Eine §203-Zusatzvereinbarung wird nicht öffentlich angeboten. Den direkten Vergleich mit ChatGPT Team und ClapNClaw finden Sie in unserem ehrlichen Drei-Tool-Vergleich.
nele.ai — Credit-Modell für den Mittelstand
Fokus: nele.ai (entwickelt von der GAL Digital GmbH) richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die KI unternehmensweit einführen wollen, ohne pro Kopf zu lizenzieren. Statt Per-Seat-Preisen gibt es ein verbrauchsbasiertes Credit-Modell mit Einstieg ab rund 10 € pro Monat für das gesamte Unternehmen (Stand: Juni 2026). Die Server stehen in Deutschland, der AVV ist öffentlich auf der Website einsehbar, Eingaben werden nicht fürs Modelltraining verwendet.
Einordnung: Attraktiv für KMU mit vielen Gelegenheitsnutzern — das Credit-Modell bestraft keine inaktiven Accounts. Wer hingegen wenige Vielnutzer hat oder branchenspezifische Compliance (§203, DATEV) braucht, findet hier keine Spezialisierung.
meinGPT — Plattform plus Begleitung
Fokus: meinGPT kombiniert eine in Deutschland gehostete, DSGVO-konforme KI-Plattform mit Schulungsangeboten (Academy), No-Code-Workflows und einer Datenintegrationsschicht (DataVault) für über 20 Quellen. Die Modellauswahl umfasst mehrere Anbieter. Einen öffentlichen Listenpreis gibt es nicht — die Preisgestaltung erfolgt individuell nach Unternehmensgröße und Anforderungen (Stand: Juni 2026).
Einordnung: Passend für Mittelständler, die nicht nur ein Tool, sondern Einführungsbegleitung und Mitarbeiterschulung wollen. Die fehlende Preistransparenz erschwert den schnellen Vergleich; für kleine Teams mit Self-Service-Anspruch sind Anbieter mit öffentlichen Tarifen unkomplizierter.
DeutschlandGPT — deutsche Cloud, viele Modelle
Fokus: DeutschlandGPT bündelt GPT, Claude, Gemini, Llama und Mistral auf einer Plattform, die auf der Open Telekom Cloud in Magdeburg und Biere läuft — ISO 27001 (TÜV Süd) und BSI-C5-zertifizierte deutsche Infrastruktur. Mit den US-Modellanbietern bestehen Zero-Data-Retention-Vereinbarungen. Preise: Free-Tarif für 0 €, Business ab 24 € pro Nutzer und Monat (20 € bei Jahreszahlung, zzgl. USt., Stand: Juni 2026).
Einordnung: Wer „KI made in Germany“ als deutsche Infrastruktur-Jurisdiktion versteht, kommt DeutschlandGPT am nächsten unter den Multi-Modell-Plattformen: Die Telekom-Cloud unterliegt keiner US-Mutter. Die Inferenz der US-Modelle selbst bleibt allerdings Sache der jeweiligen Modellanbieter — hier schützen die Zero-Retention-Verträge, nicht der Serverstandort.
Aleph Alpha (PhariaAI) — souveräne KI aus Heidelberg
Fokus: Aleph Alpha ist der bekannteste Vertreter für „KI made in Germany“ im engsten Sinn: eigene Modelle, eigene Plattform, deutsches Unternehmen. PhariaAI ist ein souveränes KI-Betriebssystem für Unternehmen und Verwaltungen mit Fokus auf Erklärbarkeit und Compliance — betrieben on-premise, hybrid oder in der Cloud des Kunden. Ein allgemeines SaaS-Angebot existiert nicht; Preise sind Projektsache.
Einordnung: Die richtige Wahl für Behörden, kritische Infrastruktur und Konzerne, bei denen Daten das Haus gar nicht verlassen dürfen. Für eine 10-Personen-Kanzlei oder Arztpraxis ist ein On-Premise-Projekt mit eigener Hardware und Betriebsverantwortung in der Regel überdimensioniert.
DATEV Copilot — KI im Steuerberater-Ökosystem
Fokus: Seit Februar 2026 bündelt der DATEV Copilot (hervorgegangen aus der DATEV KI-Werkstatt) Assistenzfunktionen für Kanzleien: Texterstellung, Übersetzungen, Dokumentenanalyse, Prompt-Bibliothek und De-Identifikation personenbezogener Daten. Die Lizenz ist für DATEV-Mitglieder kostenfrei über den DATEV-Shop bestellbar und wird im Lauf von 2026 in die DATEV-Cloud-Lösungen integriert.
Einordnung: Für Steuerkanzleien im DATEV-Universum der natürliche erste Schritt — kostenlos, genossenschaftlich getragen, tief integriert. Die Grenzen: Der Copilot ist ein Assistent innerhalb des DATEV-Ökosystems, keine frei konfigurierbare KI-Plattform; wer darüber hinausgehende Workflows, eigene Wissensdatenbanken oder andere Berufsgruppen abdecken will, braucht ergänzende Werkzeuge.
Mistral Le Chat — der EU-Modellanbieter
Fokus: Mistral ist der einzige Anbieter in dieser Übersicht, der ein eigenes Frontier-Modell und einen europäischen Hauptsitz (Paris) mitbringt. Le Chat läuft standardmäßig auf Infrastruktur in Frankreich unter französischem Recht — Daten verlassen die EU nicht. Preise: Pro 14,99 €/Monat, Team 24,99 € pro Nutzer und Monat, Enterprise mit dediziertem Hosting auf Anfrage (Stand: Juni 2026).
Einordnung: Die sauberste Antwort auf die Jurisdiktionsfrage: kein US-Konzern in der Kette. Dafür gilt: Volle AVV-Abdeckung liegt erst im Enterprise-Tarif, deutschsprachiger Support und branchenspezifische Compliance (§203, DATEV) gehören nicht zum Produktkern.
ClapNClaw — der Spezialist für Berufsgeheimnisträger
Fokus: ClapNClaw (das sind wir) verzichtet bewusst auf einen Modell-Marktplatz und baut stattdessen eine Compliance-Architektur für Berufsgruppen, bei denen Datenschutzverstöße strafbar sind: Kanzleien, Steuerberater und Arztpraxen. Jede Firma erhält einen isolierten Container auf Hetzner-Servern in Frankfurt (deutsche GmbH, keine US-Konzernbindung); die Inferenz läuft mit Claude (Anthropic) zustandslos über AWS Bedrock eu-central-1, ohne Speicherung und ohne Training. Der Compliance-Tarif enthält die §203-Zusatzvereinbarung nach §203 Abs. 4 StGB sowie DATEV-Anbindung (OAuth + Belegextraktion). Preise: Team 29 € pro Nutzer und Monat (25 € jährlich), Compliance 59 € (50 € jährlich), AVV ab Tag 1, Support auf Deutsch.
Einordnung — ehrlich auch bei uns selbst: ClapNClaw bietet nur Claude — wer Modellvielfalt will, ist bei Langdock oder DeutschlandGPT besser aufgehoben. On-Premise-Betrieb gibt es nicht; wer das braucht, sollte zu Aleph Alpha schauen. Und als jüngeres Produkt haben wir weniger Integrationen als die etablierten Plattformen. Unsere Nische ist bewusst schmal: die Kombination aus eigenem Container in deutscher Jurisdiktion, kurzer Compliance-Kette (ein Modell, ein AVV, eine §203-Vereinbarung) und DATEV — geprüft an einem Nachmittag statt in einem Audit-Projekt.
Welcher Anbieter für welchen Fall?
- Großes Team, viele Modelle, Workflows: Langdock — oder DeutschlandGPT, wenn die Infrastruktur-Jurisdiktion deutsch sein soll.
- KMU mit vielen Gelegenheitsnutzern: nele.ai (Credit-Modell statt Per-Seat).
- Mittelstand mit Schulungs- und Integrationsbedarf: meinGPT.
- Behörde oder Konzern, Daten dürfen das Haus nicht verlassen: Aleph Alpha (PhariaAI), on-premise.
- EU-Jurisdiktion ohne US-Konzern in der Kette: Mistral Le Chat.
- Steuerkanzlei mit DATEV, erster Schritt ohne Budget: DATEV Copilot (kostenfrei für Mitglieder).
- Kanzlei, Steuerberatung oder Praxis mit Mandanten-/Patientendaten: ClapNClaw — als einziger Anbieter dieser Übersicht mit öffentlich angebotener §203-Zusatzvereinbarung plus DATEV-Anbindung.
- Kombinationen sind legitim: Viele Kanzleien nutzen den DATEV Copilot für DATEV-interne Aufgaben und eine spezialisierte Plattform für alles darüber hinaus. Wichtig ist eine klare interne Richtlinie, welche Daten in welches Tool dürfen.
Der häufigste Fehler bei der Auswahl: DSGVO-Konformität und §203 StGB zu verwechseln. Ein AVV nach Art. 28 DSGVO macht ein Tool für normale Unternehmensdaten nutzbar — er ersetzt aber nicht die schriftliche Geheimhaltungsverpflichtung nach §203 Abs. 4 StGB, die Berufsgeheimnisträger von jedem externen Dienstleister brauchen. Fragen Sie jeden Anbieter auf dieser Liste explizit danach, bevor Sie Mandanten- oder Patientendaten verarbeiten.
Häufige Fragen
Welche KI ist DSGVO-konform?
Ist ChatGPT DSGVO-konform?
Was bedeutet „KI made in Germany“ wirklich?
Reicht ein AVV für Anwälte, Steuerberater und Ärzte?
Vertiefend: Der vollständige DSGVO-KI-Leitfaden 2026 erklärt Rechtslage und Prüfschritte für alle Berufsgruppen; der Head-to-Head-Vergleich ClapNClaw vs. ChatGPT Team vs. Langdock geht bei drei Anbietern in die Tiefe.
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